Ergebnisse des Bürger- und Jugendforums: Das sind die Themen, so geht es weiter

Am 28. und 29. Mai 2021 haben die rund 400 Teilnehmenden des Bürger- und Jugendforums 50 Vorschläge erarbeitet, mit denen das Bildungssystem verändert werden soll. Nun stehen die Vorschläge zur Abstimmung unter den Beteiligten online. Die Ergebnisse der Umfrage geben dem Bürgerrat am 18. und 19. September 2021 wichtige Hinweise, welche Themen einer Mehrheit des Bürger- und Jugendforums besonders wichtig sind.

Die Ergebnisse des Vorbereitungsworkshops und des Bürger- und Jugendforums zeigen, dass die meisten Beteiligten – gleich aus welchen Altersgruppen – vor allem im Schulsystem Veränderungsbedarf sehen. Somit finden sich vor allem Ideen, die sich auf Aspekte des Lernens und Lehrens an Schulen beziehen, sowie solche, die schulpolitische Entscheidungen betreffen. Während einige Ideen sich ähneln, gibt es auch Vorschläge, die konträr zu Vorschlägen anderer Gruppen sind. Auch diese wird der Bürgerrat besonders diskutieren, um möglichst abgestimmte Empfehlungen zu formulieren.

Über diese Themen haben die Teilnehmenden diskutiert

Die Themen, die die Bürgerrätinnen und -räte diskutiert haben, decken die ganze Bandbreite ihrer Lebenserfahrungen ab – sei es als Schülerin, Student, Auszubildende oder Eltern. In vielen Vorschlägen findet sich z.B. der fehlende Praxisbezug und die mangelnde Vorbereitung auf den Beruf im Schulunterricht. So diskutierten viele Teilnehmende, dass auch relevantes Alltagswissen, etwa zu Steuern und Versicherungen in den Lehrplan aufgenommen werden sollten. Andere Vorschläge aus dem Bürger- und Jugendforum beschäftigen sich damit, wie Praxisphasen in den Unterricht integriert werden können, oder wie Digitalisierung dazu beitragen kann, dass alle die gleichen Chancen haben. Mehrere Gruppen haben Vorschläge eingereicht, in denen es darum geht, Kinder länger gemeinsam zu unterrichten, bevor der Wechsel in Sekundarstufe 2 erfolgt – die Vorschläge unterscheiden sich allerdings im gewünschten Zeitpunkt.

Chancengleichheit im Schulbetrieb

Schon im Online-Dialog des Bürgerrats Bildung und Lernen wurde mehrfach mangelnde Chancengleichheit im deutschen Bildungssystem kritisiert. Im Bürger- und Jugendforum haben die Teilnehmenden auch hierzu konkrete Ideen formuliert. Sie thematisieren nicht nur individuelle Förderung und Personalmangel in der Lehre, sondern verweisen vielfach auch auf Chancen, die darin bestehen, Schulen mit digitalen Endgeräten auszustatten, die Medienkompetenz zu fördern oder über eine reine Notenbewertung hinaus auch individuelle Stärken und Schwächen von Schülerinnen und Schülern in den Blick zu nehmen. Um Sprachbarrieren abzubauen, schlugen einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor, Mehrsprachigkeit als Normalität anzunehmen und sie für die Gestaltung multilingualen Unterrichts zu nutzen.

Für die Berücksichtigung individueller Unterschiede haben die Teilnehmenden eine ganze Reihe von Vorschlägen entwickelt. Sie beziehen sich sowohl auf die Lerninhalte als auch auf die Gestaltung des Unterrichts, die Aus- und Weiterbildung von Lehreinnen und Lehrern bis hin zum Umgang mit unterschiedlichen Lerngeschwindigkeiten.

Mit Digitalisierung und Digitalkompetenz in die Zukunft des Lernens

Im Themenfeld Digitalisierung reichen die Vorschläge von einer „Bundescloud“, auf die alle Lernenden und Lehrenden zugreifen können, bis hin zu IT-Kompetenzzentren, teilweise zentral, teilweise dezentral. Diskutiert wurde vielfach die Unabhängigkeit von großen IT-Anbietern, die Verwendung von Open-Source-Lösungen, um gleiche Chancen für alle zu erreichen und das Vermitteln von Medienkompetenz, die zum Beispiel auch Grundlage dafür ist, kommerzielle von nicht-kommerziellen Inhalten zu unterscheiden und einen bewussten Umgang mit digitalem Content zu fördern. Dabei nehmen die meisten Ideen auch die Finanzierbarkeit in den Blick.

Demokratie lernen – Bildungspolitik ändern

In einigen Vorschlägen finden sich Ideen, die das föderale System betreffen. Sie reichen von der Übertragung der Gesamtverantwortung auf den Bund bis hin zu konkreten Ideen, die es ermöglichen sollen, gemeinsame, bundesweit gültige Entscheidungen schneller zu treffen und ihnen bindenden Charakter zu geben.

Schülerinnen und Schülern möglichst früh die Möglichkeit zu geben, politische Prozesse zu verstehen, war vielen Gruppen wichtig. In einigen Vorschlägen genannt und im eigenen Themenfeld Demokratieförderung zu insgesamt fünf Vorschlägen ausgearbeitet, sehen viele Beteiligte darüber hinaus die Notwendigkeit, demokratische Prozesse und Gremien an Schulen zu verankern und andererseits Kinder und Jugendliche, beispielsweise über eine Stärkung von Jugendparlamenten, in die Politik einzubinden. Das soll Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit geben, den Schulalltag mitzugestalten und schon an demokratischen Verfahren mitzuwirken.

Der Lehrberuf im Fokus

Mehrere Vorschläge erarbeiteten die Teilnehmenden zur Organisation des Lehrberufs: Lehrerkräfte sollten regelmäßig Fortbildungen besuchen, unter bestimmten Bedingungen sollten sie kündbar sein, der Wechsel aus und in den Lehrberuf sollte vereinfacht werden. Auch die hohe Belastung, der Lehrkräfte teilweise ausgesetzt sind, bot Stoff für Vorschläge: Gesundheitsvorsorge, Coaching und die feste Einbindung von psychologischen Fachkräften – auch für Schülerinnen und Schüler – in den Schulalltag sind Teil weiterer Ideen.

Über alle Arbeitsgruppen hinweg wiederholt sich die Forderung, mehr finanzielle und personelle Ressourcen zur Verfügung zu stellen – sei es, um die Digitalisierung auszubauen, Chancengleichheit zu ermöglichen, Schülerinnen und Schüler individueller zu fördern, oder den Unterricht praxisnäher zu gestalten.

Teilnehmende konnten selbst entscheiden, was sie bearbeiten wollten

Basis für das Bürger- und Jugendforum waren acht Themenfelder, die zufällig ausgewählte Teilnehmerinnen und Teilnehmer in einem Vorbereitungsworkshop zuvor aus den Beiträgen des öffentlichen Online-Dialogs zusammengefasst hatten. Während der Veranstaltung am 28. und 29. Mai 2021 konnten sich die Bürgerinnen und Bürger immer wieder entscheiden, an welchen Themen sie in Kleingruppen weiterarbeiten wollten. Damit wurden nur solche Vorschläge fertiggestellt, die von ausreichend Mitarbeitenden für relevant erachtet wurden.

Ähnliche Tendenzen bei den Kinder- und Jugendwerkstätten

Seit Anfang Juni finden die Kinder- und Jugendwerkstätten des Bürgerrats Bildung und Lernen an fünf verschiedenen Schulen in ganz Deutschland statt. Auch in den Ideen der 9- bis 16-Jährigen zeichnet sich der Wunsch nach einem größeren Praxisbezug im Unterricht ab. Ganz allgemein wünschen sich viele der jungen Teilnehmenden eine bessere digitale

Ausstattung ihrer Schule und eine bessere Ausstattung und Instandhaltung der Schulgebäude.

Der Wunsch nach einer besseren Kommunikationskultur zwischen Lehrenden und Lernenden ist manchen ein Anliegen. Viele wollen an der Gestaltung des Schulalltags und in demokratischen Prozessen beteiligt sein. Das zeigt sich auch darin, dass sich bisher aus jeder teilnehmenden Schule mehrere Schülerinnen und Schüler gemeldet haben, um die Arbeit der Kinder und Jugendlichen im Bürgerrat zu repräsentieren. Als Botschafterinnen und Botschafter werden sie die erarbeiteten Ideen im Bürgerrat und im Austausch mit Politikerinnen und Politikern vorstellen und vertreten.

Die Ergebnisse der Kinder- und Jugendwerkstätten stellen wir nach Abschluss der Werkstätten hier vor.

Der Bürgerrat Bildung und Lernen im Überblick

  • Oktober 2020 bis Februar 2021: Öffentlicher Online-Dialog: Bürgerinnen und Bürger haben im ersten Schritt Lösungsvorschläge für ein zukunftsfähigeres Bildungssystem zusammengetragen.
  • 19./20. März 2021: Vorbereitungsworkshop zum ersten Bürger- und Jugendforum im Mai
  • 28./29. Mai 2021: Erstes Bürger- und Jugendforum (online) mit rund 400 ausgelosten Teilnehmerinnen und Teilnehmern
  • Ab Juni 2021: Kinder- und Jugendwerkstätten
    Kinder und Jugendliche (unter 16 Jahren) entwickeln eigene Ideen in verschiedenen Werkstätten
  • 18. und 19. September 2021: Zentraler Bürgerrat
  • Oktober 2021: Öffentlicher Online-Dialog
  • November 2021: Bürgergipfel
    Übergabe der Bürgerrats-Empfehlungen an die Politik
  • 2022: Ein neuer Durchlauf des Bürgerrats startet. Das Projekt ist auf insgesamt drei Jahre angelegt

Hier finden Sie die Ankündigung des Bürger- und Jugendforums mit einer Liste der im Vorbereitungsworkshop erarbeiteten Leitthemen.

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