Nationaler Bürgerrat erarbeitet Wege aus der Bildungskrise

Eine Woche vor der Wahl: Neuer Bürgerrat Bildung und Lernen tagt in Berlin

Bonn, 16.09.2021. Endspurt im Wahlkampf und kaum ein anderes Thema brennt den Menschen mehr unter den Nägeln als die Verbesserung unseres Bildungssystems (siehe aktuelle Umfragen der Meinungsforschungsinstitute Infratest dimap und Civey). Genau eine Woche vor der Bundestagswahl und den Landtagswahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern tritt der Bürgerrat Bildung und Lernen nach den vorangegangenen digitalen Sitzungen am 18./19. September 2021 erstmals in der Hauptstadt zusammen.

Initiiert wurde der Bürgerrat Bildung und Lernen Anfang 2021 von der unabhängigen Montag Stiftung Denkwerkstatt aus Bonn. Er ist auf drei Jahre angelegt. Das Verfahren umfasst verschiedene Schritte und ein Durchlauf dauert jeweils ein Jahr.

Der Bürgerrat setzt sich aus 100 zufällig ausgelosten Menschen aus ganz Deutschland zusammen. Ihre Aufgabe ist es, Empfehlungen zu einer nachhaltigen Reform des deutschen Bildungssystems zu erarbeiten. Bereits im Mai hatten rund 400 zufällig ausgeloste Bürgerinnen und Bürger aus ganz Deutschland im zweitägigen Online-Jugend- und Bürgerforum Vorschläge für notwendige Reformen unseres Bildungssystems entwickelt. Darüber hinaus erarbeiteten im Sommer Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren in fünf verschiedenen Schulwerkstätten Ideen zum Thema „Wie wollen wir lernen“? Auch diese Perspektiven fließen in die Arbeit des Bürgerrats ein. Die Empfehlungen werden von den Mitgliedern des Bürgerrats ausgearbeitet und im Rahmen des Bürgergipfels Mitte November an die Politik – im Bund, in den Ländern und in den Kommunen – übergeben.

Auf Einladung von Dr. Achim Bonte, dem neuen Direktor der Staatsbibliothek zu Berlin findet das Abschlusspanel der ersten Bürgerrats-Sitzung am 19. September an einem historischen Platz statt: im großen Lesesaal der frisch renovierten Staatsbibliothek Unter den Linden. Hier treffen die Mitglieder des Bürgerrats Bildung und Lernen auch auf bildungspolitische Sprecherinnen und Sprecher der Berliner Politik.

Bürgerräte gelten international als geeignetes Instrument, um Bevölkerung und Politik wieder näher zusammenzubringen. Ihr Ziel ist es, gesellschaftlich wichtige Fragen nicht ausschließlich auf parlamentarischer Ebene zu diskutieren, sondern auch die Bürgerinnen und Bürger aktiv in die Suche nach Lösungsansätzen einzubeziehen. Damit in dem mehrstufigen Prozess ein Querschnitt der Bevölkerung zu Wort kommt, werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Bürgerräten anhand demografischer Daten per Losverfahren ermittelt. So ist auch im Bürgerrat Bildung und Lernen eine Art Mini-Deutschland vertreten – mit jungen und alten Menschen aus der ganzen Republik und mit sehr unterschiedlichen Bildungsbiografien.

Nach den Bürgerräten „Demokratie“ (2019), „Deutschlands Rolle in der Welt“ (2020) und „Klima“ (2021) ist der Bürgerrat Bildung und Lernen soweit bekannt aktuell der Einzige, der auf Bundesebene im Einsatz ist und als nationaler Bürgerrat auch Kinder und Jugendliche (unter 16 Jahre)  aktiv einbezieht.

Wie wollen wir lernen? Und was würdest du ändern, wenn du Chefin oder Chef an deiner Schule wärst? Fragen wie diese standen im Mittelpunkt der Schulwerkstätten, die der Bürgerrat Bildung und Lernen vor den Sommerferien in verschiedenen Regionen der Republik an unterschiedlichen Schulformen und mit verschiedenen Jahrgängen durchgeführt hat. In Berlin steht für die zehn Kinderbotschafterinnen und Kinderbotschaftern (8 bis 16 Jahre) nun unter anderem ein Workshop im Futurium auf dem Programm – auf Einladung des Direktors des Futuriums – Dr. Stefan Brandt.

Hintergrund zum Bürgerrat Bildung und Lernen

Das deutsche Bildungssystem steht in der Kritik. Auf die Frage, was sie sich von der Politik neben der Bekämpfung der Pandemie am meisten wünschen, antworteten bei einer großen Forsa-Umfrage im Januar 2021 die meisten (69 %): ein besseres Schul- und Bildungssystem.

„Im Bildungssystem insgesamt sind Versäumnisse über Jahrzehnte hinweg zu konstatieren, von Innovations- und Veränderungsresistenz, von Ideen- und Mutlosigkeit, Neues zu wagen“, sagt der Initiator des Bürgerrat Bildung und Lernen Karl-Heinz Imhäuser, Vorstand der Montag Stiftung Denkwerkstatt. „Wenn man die Probleme im Bildungsbereich ernsthaft angehen, braucht es neue und vor allem viele Perspektiven. Jeder Mensch hat mit Bildung und Lernen zu tun – ein Leben lang, nicht nur in der Schule. Diese Perspektiven und Erfahrungen der Bürgerinnen und Bürger mit dem Bildungssystem müssen gehört und aufgenommen werden.“

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