Wie geht´s weiter?

Der Bürgerrat Bildung und Lernen endet – aber sein Impuls wirkt weiter

Rund siebenhundert Menschen haben in einem komplexen fünfjährigen Prozess Empfehlungen dafür erarbeitet, wie Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in Deutschland besser und gerechter lernen können. Die Empfehlungen wurden in die Öffentlichkeit gestreut, Politiker*innen überreicht, in Schulen und Verwaltungen vorgestellt.  

Und nun? Learnings und Zukunftspläne

Für uns hört die Arbeit damit nicht auf. Die Erfahrungen und verschiedenen Reflexionen haben gezeigt, dass die Empfehlungen der Bürgerrät*innen eine durchmischte Resonanz hervorgerufen haben. An vielen Stellen haben sie wichtige Denkanstöße gegeben, weitere Aktionen hervorgebracht und zum einen oder anderen Kulturwandel im Lehrer*innenzimmer beigetragen. Auf der politischen Ebene hingegen wurden kaum Verbesserungen umgesetzt.

Wir haben gelernt, dass die Stärke des Bürgerrats Bildung und Lernen zugleich seine größte Schwäche ist: Er hat das Bildungssystem als Ganzes in den Blick genommen. Dadurch hat er ein schlüssiges Gesamtkonzept entwickelt, bei politischen Entscheider*innen aber nur begrenzte Stoßkraft erreicht. Er hat ein Thema behandelt – Bildung und Lernen – statt einer konkreten Fragestellung, die klare Entscheidungen und Positionierungen erfordert hätte.

Gleichzeitig hat der Bürgerrat Bildung und Lernen gezeigt, dass Bürgerräte ein ganz besonderes Potenzial haben: Sie können gesellschaftlich umstrittene und verfahrene Fragen konstruktiv und lebensnah beantworten – unabhängig von Parteipolitik.

Nach dem Abschluss des Bürgerrats Bildung und Lernen geht die Montag Stiftung Denkwerkstatt nun also direkt in Schulen und Kommunen, um „im Kleinen" konkrete Verbesserungen anzustoßen. Wir setzen uns mit Partnerschulen und -Kommunen für ein gemeinsames Ziel ein: die jeweils eigenen Handlungsspielräume im Bereich Bildung und Lernen so zu nutzen, dass Kinder, Jugendliche und Erwachsene vor Ort konkrete Herausforderungen vor Ort lösungsorientiert und lebensnah angehen können. Die „großen Grundsätze", die der Bürgerrat Bildung und Lernen für das deutsche Schulsystem erarbeitet hat, sind dabei unser Kompass.  

Kommunale Zukunftsräte Bildung und Lernen

Zwei mutige Kommunen starten Ende 2026 mit uns ein Experiment. Die Kommunalverwaltung beauftragt eine per Zufallsauswahl zusammengestellte Gruppe von 50-100 Bürger*innen. Das Besondere: Mindestens die Hälfte davon ist unter 17 Jahre alt. Dieser „Kommunale Zukunftsrat“ soll Empfehlungen für die Lösung eines bestimmten Problems der Kommune im Bereich Bildung und Lernen erarbeiten.
Im Anschluss stellen die Mitglieder gemeinsam mit der Verwaltung, der örtlichen Schulaufsichtsbehörde und anderen relevanten lokalen Akteuren einen Aktionsplan auf die Beine. Der Aktionsplan soll konkrete und realisierbare Schritte zur Umsetzung der Empfehlungen aufzeigen. Die Kommune setzt diesen gemeinsamen Plan in die Praxis um und kommuniziert regelmäßig zu den Fortschritten.

Losbasierte Schulforen

Ebenfalls ab Ende 2026 erproben drei Schulen mit uns das Format „Losbasiertes Schulforum“: Die Schulgemeinschaft definiert eine Fragestellung, die von einer Gruppe ausgeloster Schüler*innen in einem moderierten Dialogprozess bearbeitet wird. Hier kommen Kinder und Jugendliche zusammen, die einen Querschnitt der Schülerschaft abbilden und so ganz unterschiedliche Erfahrungen, Geschichten und Gedanken mitbringen.
Die verschiedenen Perspektiven auf ein gemeinsames Problem sollen neue Lösungswege aufzeigen, die die Schulleitung – so das Commitment im Vorfeld – so weit wie möglich umsetzt.

Beide Pilotprogramme werden ab 2027 bzw. 2028 in bundesweite Ausschreibungen überführt.

„Wir stehen nicht am Ende, sondern an einem Übergang. Der Bürgerrat hat gezeigt, wie kraftvoll Bürger*innen, Kinder und Jugendliche gemeinsam denken und gestalten können. Das, was die Menschen hier in über fünf Jahren erarbeitet haben, zeigt uns auf, an welchen Stellen es nach vorne gehen kann. Dazu braucht man Partner, denen es wirklich ein Anliegen ist, die Zukunft unseres Bildungssystems in Deutschland in die Hand zu nehmen.“ 

Dr. Karl-Heinz Imhäuser, Vorstand der Montag Stiftung Denkwerkstatt, bei der Abschlussveranstaltung im November 2025